DNS-Sperren in der Schweiz: Warum sie bestehen — und warum sie umgangen werden
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DNS Sperren Schweiz Sportwetten sind das wichtigste Instrument, mit dem die Eidgenossenschaft den Zugang zu nichtlizenzierten Glücksspielanbietern unterbindet. Ende 2024 standen 490 Domains auf der Sperrliste der GESPA. Bis März 2026 ist die Liste auf 2 944 Domains angewachsen — eine Versechsfachung in weniger als zwei Jahren. Trotzdem erreichen Schweizer Spieler die gesperrten Seiten weiterhin. Technisch möglich, rechtlich riskant — so lässt sich die Lage zusammenfassen.
Dieser Artikel erklärt, wie DNS-Sperren technisch funktionieren, warum sie ihre Wirkung systematisch verfehlen, welche rechtlichen Risiken bei der Umgehung bestehen und wie andere Länder mit demselben Problem umgehen.
So funktionieren DNS-Sperren technisch
DNS steht für Domain Name System — das Telefonbuch des Internets. Wenn du eine Webadresse wie «stake.com» in den Browser eingibst, fragt dein Gerät einen DNS-Server, welche IP-Adresse hinter diesem Namen steckt. Die Antwort — eine numerische Adresse wie 104.18.32.7 — wird verwendet, um die Verbindung herzustellen. Die Webseite lädt.
Eine DNS-Sperre greift genau an diesem Punkt ein. Die Schweizer Internet Service Provider (ISP) — Swisscom, Sunrise, Salt und andere — werden angewiesen, bestimmte Domainnamen nicht mehr aufzulösen. Tippt ein Schweizer Nutzer «stake.com» ein, antwortet der DNS-Server des ISP nicht mit der echten IP-Adresse, sondern mit einer Sperrseite. Die Verbindung zur eigentlichen Webseite kommt nicht zustande.
Das Verfahren wird durch die ESBK initiiert. Die Behörde identifiziert nichtlizenzierte Glücksspielanbieter, publiziert die Sperrung im Bundesblatt und ordnet die DNS-Blockade bei den ISPs an. Der Prozess ist bürokratisch und zeitaufwendig — die ESBK selbst hat eingeräumt, dass die erforderliche Bekanntmachung im Bundesblatt und die technischen Abklärungen mit den Internetanbietern zu längeren Bearbeitungszeiten führen können. Zwischen der Identifikation eines illegalen Angebots und der tatsächlichen Sperrung vergehen oft Wochen oder Monate.
Warum DNS-Sperren leicht umgangen werden
Die DNS-Sperre ist das Äquivalent eines Schildes, das sagt «Diese Tür ist geschlossen» — während drei weitere Eingänge offenstehen. Die einfachste Umgehung: einen anderen DNS-Server nutzen. Statt den DNS-Server des ISP zu verwenden, kann der Nutzer in den Netzwerkeinstellungen seines Geräts einen alternativen DNS-Server eintragen — etwa den von Google (8.8.8.8) oder Cloudflare (1.1.1.1). Die Änderung dauert dreissig Sekunden und erfordert keine technischen Vorkenntnisse. Der ISP-Filter wird umgangen, weil die DNS-Anfrage gar nicht mehr über den gefilterten Server läuft.
Methode zwei: VPN-Dienste — die populärste Umgehungsmethode. Ein Virtual Private Network leitet den gesamten Internetverkehr über einen Server in einem anderen Land. Aus Sicht des ISP surft der Nutzer in der Schweiz nicht auf einer Glücksspielseite, sondern kommuniziert mit einem VPN-Server in den Niederlanden oder Deutschland. Die DNS-Sperre greift nicht, weil die DNS-Auflösung im VPN-Tunnel stattfindet.
Methode drei: Mirror-Domains. Viele Buchmacher registrieren Dutzende alternativer Domains, die funktional identisch zur Hauptseite sind, aber (noch) nicht auf der Sperrliste stehen. Sobald eine Domain gesperrt wird, aktiviert der Anbieter die nächste — oft innerhalb von Stunden. Dieses Katz-und-Maus-Spiel erklärt den rasanten Anstieg der Sperrliste von 490 auf 2 944 Domains — und zeigt gleichzeitig, dass die Behörden das Tempo der Anbieter nicht halten können. Ein einzelner grosser Buchmacher kann Hunderte Domains vorregistrieren und bei Bedarf rotieren. Die Kosten dafür: wenige hundert Dollar pro Jahr. Die Kosten für die ESBK, jede einzelne Domain zu identifizieren, zu prüfen und im Bundesblatt zu publizieren: ein Vielfaches davon.
Der legale Schweizer Glücksspielmarkt erzielte 2024 einen Umsatz von 3,97 Milliarden CHF. Der Anreiz, diesen Markt vor Offshore-Konkurrenz zu schützen, ist entsprechend hoch. Doch die Wirksamkeit der DNS-Sperren bleibt begrenzt — sie erhöhen die Hürde für den Zugang, aber sie eliminieren ihn nicht.
Rechtliche Risiken bei Umgehung der Sperrliste
Die zentrale Frage für Schweizer Spieler: Ist die Umgehung einer DNS-Sperre strafbar? Die Antwort ist differenziert — und weniger eindeutig, als viele Foreneinträge suggerieren. Das BGS (Bundesgesetz über Geldspiele) richtet sich primär gegen Anbieter, nicht gegen Spieler. Artikel 86 BGS verbietet das Angebot nichtkonzessionierter Glücksspiele aus dem Ausland — der Konsum durch den Spieler wird nicht explizit unter Strafe gestellt.
Das bedeutet: Schweizer Spieler, die über VPN oder alternative DNS-Server auf gesperrte Seiten zugreifen, machen sich nach aktuellem Rechtsstand nicht strafbar. Es gibt keinen dokumentierten Fall, in dem ein Schweizer Spieler wegen der Nutzung eines nichtlizenzierten Online-Buchmachers strafrechtlich verfolgt wurde. Die Behörden konzentrieren sich auf die Angebotsseite — die Betreiber und ihre Infrastruktur — nicht auf die Nachfrageseite.
Aber die Abwesenheit einer Strafverfolgung ist nicht dasselbe wie rechtliche Unbedenklichkeit. Das Risiko liegt anderswo: Wer bei einem nichtlizenzierten Anbieter spielt, hat keinen Anspruch auf Rechtsschutz nach Schweizer Recht. Wenn der Anbieter Gewinne einbehält, das Konto sperrt oder die Auszahlung verweigert, gibt es keinen Schweizer Gerichtsstand und keine Ombudsstelle, die eingreifen könnte. Zudem könnten sich die Gesetze ändern — eine Verschärfung des BGS in Richtung Spielerverantwortung ist politisch denkbar, auch wenn sie derzeit nicht auf der Agenda steht. Die DNS-Sperre ist nicht als Schutz des Spielers vor sich selbst gedacht — sie ist eine Marktschutzmassnahme. Aber die Konsequenz für den Spieler ist dieselbe: Wer ausserhalb des regulierten Marktes spielt, tut das auf eigenes Risiko.
Internationale Alternativen: IP-Blocking, Payment-Blocking
Die Schweiz ist nicht das einzige Land, das mit der Effektivität von DNS-Sperren kämpft. Ein Blick auf andere Märkte zeigt alternative Ansätze — und deren Grenzen.
Grossbritannien setzt auf eine Kombination aus Lizenzpflicht und Payment-Blocking. Die UK Gambling Commission reguliert den gesamten Markt, und britische Banken sind angewiesen, Transaktionen zu nichtlizenzierten Anbietern zu blockieren. Das ist wirksamer als DNS-Sperren, weil es nicht auf der fragilen DNS-Ebene ansetzt, sondern auf der Zahlungsebene. Allerdings funktioniert dieser Ansatz bei Krypto-Zahlungen nicht — Bitcoin-Transaktionen laufen an Banken vorbei.
Australien geht noch einen Schritt weiter und blockiert auf IP-Ebene. Das ist technisch robuster als DNS-Sperren, aber ebenfalls umgehbar — ein VPN reicht. Zudem ist IP-Blocking fehleranfällig: Wenn ein Buchmacher seine IP-Adresse ändert oder ein Content-Delivery-Network nutzt, wird die Sperre wirkungslos oder blockiert versehentlich legitime Webseiten.
Die Realität ist: Kein Land hat bisher einen Mechanismus gefunden, der den Zugang zu Offshore-Glücksspielanbietern vollständig unterbindet. DNS-Sperren sind ein Kompromiss — günstig in der Umsetzung, schnell zu implementieren, aber begrenzt in der Wirkung. Für die Schweizer Behörden sind sie ein Signal: «Dieses Angebot ist nicht legal.» Ob der Spieler dieses Signal beachtet, liegt an ihm.
Keine dieser internationalen Alternativen hat das Problem vollständig gelöst. Die Erkenntnis, die sich durch alle Ansätze zieht: Technische Massnahmen können den Zugang erschweren, aber nicht verhindern — solange Nutzer motiviert genug sind, die Sperren zu umgehen, und die technischen Hürden niedrig bleiben. Für die Schweiz bedeutet das, dass DNS-Sperren zwar die Kasualnutzer abschrecken, aber entschlossene Spieler kaum aufhalten.
DNS-Sperren als stumpfes Schwert
Die DNS-Sperrliste der ESBK wächst, aber ihre Wirksamkeit wächst nicht mit. Jede neu gesperrte Domain wird innerhalb von Stunden durch eine Mirror-Domain ersetzt. Technisch versierte Nutzer umgehen die Sperre in Sekunden. Und Krypto-Zahlungen — die am schnellsten wachsende Zahlungsmethode im Online-Glücksspiel — laufen komplett an den Payment-Blocking-Mechanismen vorbei, die in Fiat-Märkten zumindest teilweise wirken.
Für Schweizer Spieler bleibt die Lage ambivalent. Die Nutzung gesperrter Seiten ist nicht strafbar, aber sie ist nicht schutzlos. Wer sich dafür entscheidet, sollte die Risiken kennen, den Anbieter sorgfältig wählen und nicht mehr Geld einsetzen, als er bereit ist, im schlimmsten Fall zu verlieren. Die DNS-Sperre ist ein stumpfes Schwert — aber das Fehlen eines scharfen bedeutet nicht, dass die Risiken dahinter verschwunden sind.
